WER bin ich?
Jetzt schreibe ich als Frau hier einen Text über Männer.
Hätte ich mir auch nicht gedacht … Der Bedarf ist aber einfach so sehr groß, Männer zu begleiten, die Väter werden, oder insgesamt Väter an sich. So viel wird für Frauen angeboten: Frauenkreise, Geburtsvorbereitung, Schwangeren-Sport, Hypnobirthing, Stillgruppen, Rückbildungsgruppen, Rebozo-Gruppen und „artgerecht-Kurse“. Welche Angebote gibt es für Männer?
Vom Jungen zum Mann
„Wann ist ein Mann ein Mann?“, hat Herbert Grönemeyer gesungen. Ja, wann ist es Dir klar geworden, dass Du nun kein Junge, sondern ein Mann bist? Hattest Du ein bestimmtes Erlebnis, ein Ereignis oder eine Begebenheit, dass Dir bewusst wurde: Nun bin ich ein Mann?
Gab es vielleicht seitens Deiner Herkunftsfamilie ein Ritual für Dich, als Du Dein MannSEIN, Deine MannesKRAFT bemerkt hast, wie in anderen Ländern? Andernorts ist es beispielsweise üblich, dass der junge Mann einige Tage und Nächte allein im Dschungel verbringt, unter Nutzung eines Seils in die Tiefe springt oder Ähnliches.
Phase des Übergangs
In der Soziologie wird dies die „Phase des Übergangs“ genannt, eine individuelle Initiation. Dem Duden nach ist die Initiation eine (durch bestimmte Bräuche geregelte) Aufnahme eines Neulings in eine Standes- oder Altersgemeinschaft, einen Geheimbund o. Ä. Insbesondere die Einführung der Jugendlichen in den Kreis der Erwachsenen bei den Naturvölkern wird als Initiation bezeichnet
Spürst Du gerade nicht so viel MannesKRAFT? Das ist normal, wirklich; das geht Frauen auch manchmal so, dass sie sich so gar nicht weiblich fühlen. Aber mach Dich auf die Suche, wo und wie Du physisch und psychisch Kraft schöpfen kannst, die Dir nachhaltig guttut. Frauen, die Babys durch die Schöpferkraft ihrer Gebärmutter gebären, durchlaufen auch eine Initiation, nämlich die zur Mutter.
Vielleicht bist Du verheiratet und hast mit Deinen Freunden vor der Hochzeit einen Junggesellenabend verbracht? Ist das die europäische oder westliche Variante der Initiation? Bemerkst du, dass Du nichts dergleichen zelebriert hast, oder spürst Du den Wunsch, etwas nachzuholen?
Rituale
Es ist nie zu spät für ein Ritual, für ein spezielles, individuelles Handlungsgeschehen. „Rituale sind in erster Linie Handlungen, d. h. eine Form des bewussten und zielgerichteten Einwirkens des Menschen auf seine Umwelt“ (Brosius, C., Ritual und Ritualdynamik, 2013, S. 13).
Rituale vermögen, über Krisen hinwegzuhelfen; sie bieten sowohl eine Stabilisierung der Ordnung für und in Gruppen als auch für den einzelnen Menschen. Sie stiften Gemeinschaft und fördern den Gemeinschaftssinn. Rituelle Praktiken fördern individuell eine Identitätsbildung und eine Identitätsprägung.
Ein Ritual, welches zu Dir passt, vermag, mit oder ohne Anleitung psychische, kognitive, emotionale und sinnliche Prozesse bei Dir anzuregen. Selbst bei passiven Ritualteilnehmern ist es durchaus möglich, dass tiefe seelische Schichten aktiviert werden (angelehnt an: Brosius, C., Ritual und Ritualdynamik, 2013, S. 13).
Unter anderem ist das Gute an einem Ritual, dass Du Dir überlegst, was es überhaupt für Dich bedeutet, ein Mann zu sein. In späteren Zeiten, vielleicht als alter Mann, kannst Du – mit der Lebenserfahrung, die Du dann hast – zurückblicken, was für ein Ritual Du Dir damals (also JETZT) ausgesucht hast und was Du Dir damals (also JETZT) vielleicht aufgeschrieben hast.
Anregung: Vielleicht schreibst Du nun dem kleinen Jungen, der Du einmal warst, einen Brief und dem (jungen?) erwachsenen Mann, der Du jetzt bist, auch?
Ich ermutige Dich gerne dazu. Viel Freude dabei.
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